Gelassen durch die Beikost-Zeit

Der Start in die Beikost-Zeit ist aufregend: Unsere Partnerin Katrin Ringe erlebt es gerade selbst: Ihr Sohn ist sechs Monate alt und plötzlich ist sie da: die Neugier auf Essen! Wir begleiten Katrin im Rahmen von kurzen Interviews durch die Beikost-Zeit. Teil 1: Welche Tipps sind sinnvoll? Warum ist das Thema Beikost oft problembehaftet? Und wie können wir sicher sein, alles „richtig“ zu machen?

Katrin, das Thema Beikost beschäftigt Dich ja schon eine Weile. Welche Empfehlungen, Tipps und Ratschläge hast Du in der Vorbereitung auf die Beikost-Zeit erhalten? 

Katrin Ringe: Um ehrlich zu sein: Ich habe gar nicht so viele Tipps bekommen, da ich kaum jemanden um Rat gebeten habe. Ich wollte mich einfach nicht so sehr beeinflussen lassen, denn zu diesem Thema gibt es viele verschiedene Meinungen. Ich habe einige Bücher gelesen und mich mit einer Freundin ausgetauscht, die ähnlich denkt wie ich und mich darin bestärkt hat, Fingerfood auszuprobieren, da es das intuitive Essen der Kinder am besten unterstützt.

Allerdings bekam ich auch unaufgefordert einige Ratschläge: Unsere Kinderärztin sagte, dass wir bereits mit 4 Monaten mit Brei beginnen sollten. Das sei verträglicher für den Darm. Ärzte haben wohl ihre Richtlinien, an der sich die Beratung orientiert. Und viele Eltern sind wahrscheinlich erleichtert, wenn sie so eine konkrete Auskunft bekommen. Zu sagen: Achten Sie auf die Beikost-Anzeichen des Kindes, ist sehr viel schwammiger. Ich kann verstehen, dass manche Eltern sich dann verunsichert fühlen, weil sie vielleicht die Sorge haben, dass sie die Anzeichen nicht richtig deuten.

Unser Sohn zeigte mit vier Monaten noch gar kein Interesse am Essen, er konnte auch noch nicht gestützt sitzen. Für mich stand damit fest, dass wir noch nicht mit der Beikost beginnen. Ich bin überzeugt, dass wir der Natur, den Urinstinkten und auch den Anzeichen unserer Kinder vertrauen dürfen. Und auch unserer Kompetenz als Eltern, die Beikost-Anzeichen richtig deuten zu können.

Ich finde es wichtig, mit der Beikost ganz locker und entspannt zu starten. Kinder sollen Essen mit Freude assoziieren. Das kann nur gelingen, wenn sie auch bereit sind, mit dem Essen zu beginnen. Und dass wir Eltern akzeptieren, wenn dies eben noch nicht der Fall ist. Für mich war klar: Ich werde meinen Sohn nicht spielerisch dazu animieren, bereits mit vier Monaten eine bestimme Menge Brei zu essen, weil genau das so vorgesehen ist oder empfohlen wird. Das kann schon früh zu einem Machtkampf am Esstisch führen und das ist aus meiner Sicht der erste Schritt in die falsche Richtung.

Fühlst Du Dich zum Thema Beikost eher gut informiert – oder eher verunsichert?

Definitiv verunsichert, vor allem nach dem Gespräch mit der Kinderärztin. Wir möchten, wie alle Eltern, das Beste für unseren Sohn. Und natürlich fühlt es sich etwas komisch an, sich über den Rat einer Ärztin hinwegzusetzen. Und das, obwohl mir mein Gefühl so vehement sagte: “ Nein, er ist noch nicht soweit!“ Ich wollte mich dennoch absichern und suchte das Gespräch zu meiner Hebamme: Glücklicherweise unterstütze sie mich darin, meinem Gefühl zu folgen. Sie erklärte mir, dass es wichtig sei, dass die Kinder Interesse am Essen signalisieren, sonst sei Frust auf allen Seiten vorprogrammiert. Nur ohne Druck und Zwang könne Freude am Esstisch herrschen. Und wenn es nicht auf Anhieb klappe, dann sei das auch okay. Genau so empfinde ich es auch.

Katrin Ringe

Katrin Ringe ist confidimus-Partnerin und Mama.

Wie gehen andere Mütter in Deinem Freundes- und Bekanntenkreis mit dem Thema um? 

Ebenfalls unsicher. Ich habe den Eindruck, dass die meisten Eltern in der Stillzeit noch ganz gut im Vertrauen sind. Heute stillen die meisten glücklicherweise nach Bedarf und vertrauen darauf, dass sich das Kind schon meldet, wenn es hungrig ist. Doch sobald das Thema Beikost relevant wird, schwindet das Vertrauen und Verunsicherung macht sich breit.

Eine Mutter erzählte, dass eine Hebamme ihr geraten hat, über einen längeren Zeitraum die gleichen Lebensmittel anzubieten, also beispielsweise eine Woche lang nur Möhrenbrei. Nur dann könne man erkennen, ob das Kind dieses Gemüse auch verträgt. Und dann ein neues Gemüse für eine Weile ausprobieren und so weiter.

Eine zweite Hebamme hingegen sagte ihr, sie solle ruhig gleich Verschiedenes anbieten, es sei nicht nötig, mehrere Tage das Gleiche anzubieten. Was stimmt? Mit dieser Frage wurde sie alleine gelassen. Weitere Themen: Wie viel Salz ist okay, wie viel Zucker darf ich geben? Auch da machen sich viele Eltern Sorgen, ob sie es gut umgesetzt bekommen und es „richtig“ machen.

Ich persönlich finde das sehr schade: Als Eltern verlieren wir bei diesem Thema oft das Vertrauen in unseren Mutterinstinkt und auch das Vertrauen in die Instinkte unseres Kindes. Wir sind so gut informiert, dass wir am Ende gar nicht mehr wissen, wie wir die Kinder an das Essen heranführen. Mein Rat: Schaut euch euer Kind und seine Reaktion, sein Verhalten an. Hört in euch hinein und vertraut dem Gefühl! Wir wissen intuitiv, was wir tun müssen, um unser Kind optimal zu versorgen. Ob es nun das Essen oder andere Dinge betrifft. Vertraut diesem Gefühl und vor allem: Vertraut eurem Kind!

Wie wird Dein Weg aussehen?

Wir haben beschlossen, unserem Sohn keinen Brei anzubieten, sondern ihn ganz normal bei uns mitessen zu lassen. Er wählt selbst aus, was er essen möchte und führt es sich selbstständig zum Mund.

Inzwischen hat er Interesse an unserem Essen und beobachtet uns während der Mahlzeiten. Er kann auch langsam gestützt sitzen, sodass wir nun demnächst die ersten Versuche starten und ihm die Gelegenheit geben, verschiedene Dinge zu probieren.

In meinen Augen ist baby-led-weaning der natürlichste Weg und er unterstützt den Ansatz der intuitiven Ernährung. Mein Sohn kann frei wählen, was er essen möchte und kann das Tempo selbst bestimmen. So kann er neben Hunger auch die Sättigung besser spüren.

Es stärkt sein Selbstvertrauen, weil wir ihm als Eltern das Vertrauen schenken, dass er frei ist in seiner Essensentscheidung und auch in der Lage ist, selbstständig zu essen. Es stärkt sein Zugehörigkeitsgefühl, denn er darf das Gleiche wie wir zur gleichen Zeit mit uns am Familienesstisch essen. Zeitgleich kann er sich abschauen, wie man sich am Tisch benimmt und unterhält und damit seine Sozialkompetenz stärken. Hinzu kommt, dass das Kauen seine Sprachentwicklung fördert und auch die Motorik und Geschicklichkeit wird geschult. Und: Er kann die Geschmäcker und Konsistenzen der einzelnen Lebensmittel viel natürlicher wahrnehmen, da er die Lebensmittel nicht in Breiform bekommt.

Das Wichtigste aber ist eine entspannte und freudige Atmosphäre am Esstisch, damit Kinder mit Leichtigkeit und Freude essen (lernen). Die kleine Sauerei, die dadurch am Anfang entsteht, nehme ich dabei gerne in Kauf…