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„Vielfalt und Vertrauen, das ist das Wichtigste für eine gesunde Ernährung“

Warum confidimus? Welche Ziele haben die Gründerinnen? Und was macht den Ansatz so besonders?

Im Blog-Interview stehen Katharina und Julia Rede und Antwort.

Vielleicht erlaubt ihr uns einen kleinen Blick durchs Schlüsselloch und erzählt, wie es bei euch zu Hause am Familien-Esstisch so zugeht…

Julia: Sehr gerne, aber das ist im Grunde schnell erzählt: Ich bemühe mich, möglichst viele verschiedene Dinge auf den Tisch zu bringen – und dann nimmt jeder das, was ihm schmeckt. Wer keinen Hunger hat, setzt sich trotzdem mit an den Tisch. Grundsätzlich kommentieren wir aber nicht mehr, wer was isst – oder in welcher Reihenfolge oder Kombination. Wurst ohne Brot ist okay, Nudeln mit Eis und dann Gurke als Nachtisch auch. Da ist heute bei mir deutlich mehr Gelassenheit und Freude statt Kontrolle und Sorge. Und: Es ist immer wieder unglaublich spannend zu beobachten, wie Kinder ihren Speiseplan individuell zusammenstellen.

Katharina: Ich handhabe das mittlerweile genauso wie Julia. Früher habe ich immer verkrampft am Esstisch gesessen und Wert darauf gelegt, dass der Brokkoli fertig gegessen wird, bevor es noch Nudeln gibt. Von all diesen Zwängen habe ich mich mittlerweile befreit. Das Spannende ist, dass ich immer wieder Aha-Erlebnisse habe. Dass meine Jungs Süßes übrig lassen kommt inzwischen regelmäßig vor. Aber natürlich läuft bei uns auch nicht alles wie in einer Bilderbuch-Familie. Bei uns ist es meistens laut, die Jungs streiten sich, es ist oft ziemlich chaotisch… (lacht) Das möchte ich eben auch nicht verschweigen.

Welche Einstellung hattet ihr früher zum Thema Ernährung?

Julia: Ich war besonders beim Thema Zucker sehr streng. Ich kontrollierte, teilte ein, machte Vorschriften: Schokolade ja, aber erst das Gemüse. Irgendwann hatte es mein Dreijähriger geschafft, sich heimlich und unbeobachtet am Süßigkeitenschrank zu bedienen. Als ich beim Staubsaugen einen kleinen Schokoladenpapier-Müllberg unter dem Sofa fand, kam ich ins Grübeln. Und ich erinnere mich noch gut, dass ich ständig besorgt war, dass mein Sohn nicht genug isst. Ich hatte immer Snacks dabei, fragte ihn oft, ob er nicht vielleicht hungrig sei. Ich glaube, dass er dadurch mehr gegessen hat als er eigentlich gebraucht hätte. Nach dem Motto: Wenn es einem schon angeboten wird, kann man ja auch zugreifen. Heute vertraue ich darauf, dass mein Sohn sich meldet, wenn er Hunger hat. Und eigentlich ist es ja auch gar nicht dramatisch, wenn Kinder mal Hunger verspüren – und das sage ich mit einem Augenzwinkern…

Katharina: Ich hatte auch viele Ängste, wie zum Beispiel, dass meine Kinder krank werden könnten oder sich nicht optimal entwickeln, wenn ich nicht dafür Sorge trage, dass sie sich gesund ernähren. Mir hat das Buch „Kind, iss was… dir schmeckt!“ von Uwe Knop oder auch die Bücher von Thomas Frankenbach, bei dem ich mich weitergebildet habe, sehr geholfen. Erst als ich verstanden hatte, dass Brokkoli und Vollkornprodukte für Kinder gar nicht die gesündere Alternative sein müssen, habe ich losgelassen.

Ihr sagt: Vertrauen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für gesunde Ernährung: Da reagieren viele Eltern auf Anhieb sicher erstmal skeptisch…

Katharina: Teils teils. Manchmal spürt man auch Erleichterung. Viele Eltern wünschen sich insgeheim einen anderen Umgang mit dem Thema Ernährung: weniger angespannt und kontrolliert, dafür genussvoll. Aber ausgewogen soll es natürlich auch sein. Leider gibt es bei diesem Thema viel gesellschaftlichen Druck. Und wir merken immer wieder, dass Eltern oft verunsichert sind. Sie wollen ihr Kind gesund ernähren und fragen sich, wie das gelingen kann, wenn das Gemüse standhaft abgelehnt wird.

Gute Frage… Was antwortet ihr den Eltern? 

Julia: Wichtig ist, dass der Blick auf das Thema Ernährung sich verändert. Ein vermeintlich gesundes Essverhalten kann unmöglich in einer Ernährungspyramide dargestellt werden, die für jeden Menschen gelten soll. Wir alle haben eine andere Bekömmlichkeit. Gesunde Ernährung ist sehr individuell – und sie gelingt dann, wenn wir Kinder nicht in ihrem Essverhalten beeinflussen, ihnen aber gleichzeitig die Möglichkeit geben, viele verschiedene Lebensmittel zu probieren. Vielfalt und Vertrauen, das ist das Wichtigste für eine gesunde Ernährung.

Katharina: Hinzu kommt natürlich noch das Thema emotionales Essen. Es gibt Kinder, die traurig, frustriert oder gelangweilt sind und daher Essen unbewusst als Ventil benutzen. An diesem Punkt setzen wir in unserem Coaching auch gezielt an. Um vorzubeugen, dass sich Kinder Kummerspeck anfuttern oder eine Essstörung entwickeln.

Dennoch ist das Thema Übergewicht bei Kindern ja nicht wegzudiskutieren.

Wie kann es da hilfreich sein, Kindern in puncto Ernährung mehr Vertrauen entgegen zu bringen?

Katharina: Das Thema Übergewicht bei Kindern wird in der öffentlichen Diskussion leider oft sehr eindimensional dargestellt. Wenn man es etwas überspitzt zusammenfasst, dreht sich die mediale Debatte darum, dass Zucker der Teufel ist und Eltern in diesem Punkt aufgeklärt werden müssen. Häufig wird auch ein geringer Bildungsgrad der Eltern als Grund für übergewichtige Kinder genannt. Dass Übergewicht aber oft eine Folge von emotionalen Problemen ist, spielt in der öffentlichen Diskussion nur am Rande eine Rolle. Dabei ist dieser Aspekt zentral. Stattdessen wird Eltern suggeriert, sie müssten Zucker einschränken, um Übergewicht vorzubeugen. Meistens passiert dann aber genau das Gegenteil: Durch den Verzicht essen die Kinder, sobald sie die Möglichkeit haben, übermäßig viel Zucker. Dabei ignorieren sie dann ihre Körpersignale – und verlieren ihre Intuition.

Julia: Und genau an diesem Punkt möchten wir gegensteuern. Es gibt sehr viele Ängste. Diesen begegnen wir mit fundiertem Wissen und können so bereits einige Sorgen aus der Welt schaffen. Wie steuert der Körper unsere Nahrungsaufnahme? Wann wird Hunger signalisiert und woher wissen wir, dass wir satt sind? Warum verspüren wir manchmal Appetit auf bestimmte Lebensmittel? Und wie schützt uns der Körper vor einer einseitigen Ernährungsweise?

Katharina: Darüber hinaus ist es uns wichtig, Familien individuell zu unterstützen. Deshalb haben wir uns gegen ein Online-Programm entschieden, denn das würde aus unserer Sicht den Situationen in den Familien nicht gerecht werden. Erfahrungsgemäß drückt der Schuh überall woanders.

confidimus steht für „wir vertrauen“.

Wie entstand die Idee für diesen Unternehmensnamen? 

Katharina: Mir war wichtig, dass wir auf Anhieb deutlich machen, dass Vertrauen eine unserer wichtigsten Säulen ist. Und es sollte klar werden, dass wir als Verbund mit vielen Partnerinnen agieren und keine Einzelkämpferinnen sind. „Wir vertrauen“ hatte ich schon länger im Hinterkopf…

Julia: …aber leider war das nicht so richtig prägnant für einen Unternehmensnamen. Deswegen kam ich auf die Idee, es ins Lateinische zu übersetzen. Plötzlich erschien „confidimus“ auf dem Bildschirm. Und uns war sofort klar: Das ist es!

Welche Ziele habt ihr euch gesetzt? 

Julia: Natürlich möchten wir im ersten Schritt Interesse für unseren Ansatz wecken. Unser Angebot ist neu, da braucht es sicher etwas Zeit und auch Überzeugungskraft in der Ansprache von Eltern. Aber wir erhoffen uns natürlich, möglichst viele Familien und damit Kinder zu erreichen. Dass Essstörungen bereits im Grundschulalter auftreten, ist erschreckend. Wir wollen helfen, dass sich diese Entwicklung nicht fortsetzt.

Katharina: Auch emotional bedingtem Übergewicht möchten wir entgegenwirken. Dazu möchten wir Ärzte, Hebammen und auch Erzieher oder Lehrer von unserem Ansatz zu überzeugen, damit es irgendwann gelingen kann, dass sich auch gesellschaftlich etwas verändert. Die natürliche Körperintelligenz ist der wichtigste Ernährungskompass des Menschen. Wenn confidimus einen Beitrag leisten kann, dass sich diese Haltung durchsetzt, würde uns das sehr stolz und glücklich machen.