Wie Kinder gesund essen

Unsere Coaching-Familien beweisen uns, dass es einen anderen Weg gibt, Kindern ein ungezwungenes und ausgewogenes Essverhalten zu vermitteln: auf liebevolle, wertschätzende und achtsame Weise. Fünf Tipps und Aha-Momente für Eltern, die sich einen vertrauensvollen Umgang mit dem Thema Ernährung wünschen.

Kinder gesund zu ernähren erscheint vielen Eltern herausfordernd: Ärzte, manchmal auch Erzieher, vor allem aber das private Umfeld und die Medien suggerieren uns, dass eine gesunde Ernährungsweise gezielt durch die Eltern gesteuert werden müsste. Die Oma sagt: „Das Kind muss doch mal was Vernünftiges essen!“ Der Kinderarzt fragt: „Wie klappt es denn mit der Ernährung?“ Die Erzieherin mahnt: „Dieser Joghurt ist sehr süß, bitte packen Sie den nicht mehr in die Brotdose.“ Und auf der Suche nach Tipps lernen wir im Internet: „Für Kinder fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag, einmal wöchentlich Fisch, Süßes wenig und am besten nur nach den Mahlzeiten anbieten.“ Puh. Ganz schön viele Regeln und Bevormundungen.

Aber mal ganz ehrlich: Kann es denn für ein Kind auf seelischer Ebene tatsächlich gesund sein, wenn sein Essverhalten kommentiert und reglementiert wird? Und: Liegt es uns als Eltern nicht am Herzen, unsere Kinder körperlich und seelisch ins Gleichgewicht zu bringen?

Was ist tatsächlich gesund für Kinder? Fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag – oder in dem Selbstvertrauen aufzuwachsen, dass der Körper in puncto Ernährung ein absolut zuverlässiger Kompass ist?

Über all diese Fragen sprechen wir mit unseren Coaching-Familien – und auf dem Weg zu mehr Vertrauen und Gelassenheit am Esstisch findet jede Familie ihre ganz eigenen Hebel, damit die kleinsten Familienmitglieder sich ohne Druck, Zwang und Kontrolle gesund und ausgewogen ernähren.

Es geht nicht um die Obst- oder Gemüsemenge, die ein Kind täglich isst. Es geht darum, dass Kinder lernen, ihren Körper wahrzunehmen: dass ihr Gefühl für Hunger und Sättigung geschärft wird. Dass sie erkennen, welche Lebensmittel ihnen gut bekommen. Unsere Haltung bei allem, was wir tun: Gesund ist, was Kinder gerne und mit Genuss essen!

Fünf Tipps für gesunde Kinder, die körperlich und seelisch im Gleichgewicht sind:

1. Den Körper bewusst spüren!

Wir arbeiteten mit einer Familie, die sehr sorgenvoll auf das Thema „Zucker“ blickte: Süßes wurde stark reglementiert, das Kind durfte sich einmal täglich eine kleine Ration abwiegen, mehr industriell hergestellter Zucker sollte es aber pro Tag nicht sein. Schritt für Schritt haben die Eltern diese Kontrolle abgegeben. Natürlich fürchteten sie, dass der Süßigkeitenkonsum sich immens steigern würde. Doch das Kind hatte sich glücklicherweise ein gutes Körpergefühl bewahrt. Der Aha-Moment: Auf dem Weg zur Schule verlangte es während der Autofahrt nach einem Schokoladen-Müsli-Riegel: Nach drei Bissen sagte der Körper „Stopp!“ – und das Kind erklärte: „Mama, das schmeckt so süß, das mag ich nicht mehr.“ Das Feedback der Eltern an uns: „Unglaublich, was es ausmacht, wenn man den eigenen Körper gut spürt. Viele Erwachsene hätten den Riegel einfach aufgegessen, ohne lange darüber nachzudenken.“

2. Hinderliche Gewohnheiten ablegen!

Im Alltag ist es manchmal gar nicht so leicht, hinderliche Gewohnheiten zu erkennen. Die kleine Tochter eine unserer Coaching-Familien hatte ein hohes Ruhebedürfnis, das sie mit „Milchtrinken“ verbunden hat: morgens auf dem Sofa, während der Fernseher lief, nach der Kita, abends zum Einschlafen, während im Bett vorgelesen wurde. Die Eltern waren besorgt angesichts der hohen Milchmenge, die das Kind zu sich nahm. Der Kinderarzt sagte rigoros: „Erlauben Sie nur noch eine Falsche Milch pro Tag!“ Das führte zu Streit und Tränen. Unser Ansatz: Die Milch morgens nicht mehr auf dem Sofa trinken, sondern am Esstisch ohne Ablenkung durch den Fernseher. Schon am ersten Tag reduzierte sich die Milchmenge – und das Kind verlangte plötzlich nach Wasser. Warum? Es konnte sich besser auf seinen Körper konzentrieren, war nicht abgelenkt. Und plötzlich spürt es: „Ich brauche keine Milch mehr, ich möchte Wasser trinken.“

3. Emotionen vom Esstisch verbannen!

Als Eltern machen wir uns Gedanken um den Familien-Speiseplan, kaufen ein, bereiten alles liebevoll zu – und das Kind? Will partout nicht probieren. Ja, das ärgert auch uns manchmal. Aber wir lernen gemeinsam mit unseren Coaching-Familien, die Emotionen vom Esstisch fernzuhalten. Denn Kinder verstehen sehr schnell, dass Essen für uns Erwachsene ein großes Thema ist. Wir sind permanent mit der Aufmerksamkeit auf dem Teller des Kindes: „Magst Du noch was haben? Du hast doch noch gar nichts gegessen! Willst Du nicht wenigstens mal probieren?“ Wenn wir uns wieder auf uns und den eigenen Teller konzentrieren, merken Kinder sehr schnell, dass sie mit Essen keine Aufmerksamkeit mehr auf sich ziehen können – und das ist eine wichtige Voraussetzung für ein intuitives und individuell-gesundes Essverhalten. Aha-Moment: Ein Elternpaar, das wir gecoacht haben, hat sich vorgenommen, sich weitgehend unbeeindruckt vom rebellischen Verhalten des Sohnes am Esstisch zu zeigen: nicht ärgern, nicht schimpfen, ruhig bleiben! Der Aha-Moment: Nachdem das Kind die Rebellion zwischenzeitlich auf die Spitze getrieben hatte, stellten die Eltern nach und nach fest, dass die gemeinsame Zeit am Familien-Esstisch entspannter wurde. Das Feedback an uns: „Wir haben schon lange nicht mehr so harmonisch miteinander gegessen.“

4. Erfahrungen zulassen und achtsam bleiben!

Dinge, die unser Körper „erfahren“ hat, prägen sich ein. Eine Mutter berichtete uns im Coaching, dass ihr Kind dazu neigt, sich bei Frust oder Streit mit Freunden zu überessen. Manchmal sei es sogar so extrem, dass das Kind sich übergeben muss. Natürlich könnte man nun hingehen und sagen: „Das ist nicht gesund für Dich!“ Unser Ansatz: Bedürfnisorientierung! Dem Kind vermitteln, dass das übermäßige Essen den Frust nicht kleiner werden lässt. Alternativen suchen, das Kind fragen: Was könnte Dir helfen, wenn Du Dich ärgerst? Und den Fokus auf die Körperwahrnehmung legen: Wie fühlt sich Dein Bauch an, wenn Du so viel gegessen hast? Essen wird häufig als Ventil für unerfüllte Bedürfnisse genutzt. Wichtig ist, dass wir als Eltern hier liebevoll gegensteuern. Auch, wenn Kinder wunderbar intuitiv essen, bedeutet das nicht, dass sie auf die Frage „Darf ich ein Eis?“ nicht auch mal ein „Nein!“ als Antwort hören. Nämlich immer dann, wenn wir als Eltern das Gefühl haben, dass das Kind nicht aus körperlichem Hunger zum Essen greift. Achtsame Eltern lösen diese Situation empathisch auf – ohne ein auffälliges Essverhalten zu kommentieren oder gar zu kritisieren.

5. Hunger und Sättigung wertschätzen!

Apropos Hunger: Unsere natürlichen Hunger- und Sättigungssignale sind die wichtigste Säule für ein intuitives Essverhalten. Aber wie schaffen wir es, Kinder dafür zu sensibilisieren? In erster Linie, indem wir ihnen ein authentisches Vorbild sind: Wenn Mama mal nicht hungrig ist, sitzt sie eben einfach mit am Familien-Esstisch – auch ohne etwas zu essen. Wenn nur noch ein letzter Bissen auf dem Teller des Kindes übrig bleibt – okay, satt ist satt! Als Eltern dürfen wir uns darüber freuen, dass unser Kind seine Sättigung so klar spürt. Denn das ist ein gutes Indiz für ein intuitives Essverhalten, das sich nicht an Regeln und Empfehlungen orientiert, sondern an dem natürlichen und völlig individuellen Körpergefühl des Kindes!